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Ryanair-Chef: Von der Leiden redet Europa teuer?

Kurzfassung

Ryanair-Chef Michael O’Leary geht auf Ursula von der Leyen los. Die EU-Kommissionspräsidentin sei „nutzlos“, das Europaparlament ein „Narrenschiff“. Sein Vorwurf: Brüssel predigt Wettbewerbsfähigkeit, belastet europäische Fluggesellschaften aber mit Kosten, während große Teile des internationalen Luftverkehrs vom europäischen CO₂-Emissionshandel verschont bleiben. Gleichzeitig streicht Ryanair in Belgien mehr als eine Million Sitzplätze. Und für 2027 drohen steigende Ticketpreise. Wird Europas Klimapolitik zur Kostenfalle für Passagiere und zum Wettbewerbsnachteil für die eigenen Unternehmen?

 

 

Inhaltsverzeichnis

Ryanair-Chef Michael O’Leary hat genug von Ursula von der Leyens Wettbewerbsversprechen. Während die EU-Kommissionspräsidentin Europas Wirtschaft stärken will, sieht der irische Airline-Boss vor allem steigende Kosten, neue Vorschriften und eine Politik, die europäische Fluggesellschaften gegenüber internationalen Wettbewerbern benachteiligt.

Im Interview mit Euronews am 20. Oktober 2026 bezeichnete O’Leary von der Leyen erneut als „nutzlos“. Auch das Europäische Parlament bekam sein Fett weg: ein „Narrenschiff“, das immer neue Vorschriften produziere, obwohl Verbraucher günstiger fliegen wollten.1euronews.com
Bericht vom 20. Oktober 2026 über O’Learys Angriffe auf die EU-Führung, Umweltabgaben und drohende Flugpreiserhöhungen.

 

 

„Nutzlos!“ – O’Leary zerlegt von der Leyens EU-Politik

Seine Abrechnung trifft Brüssel an einem empfindlichen Punkt. Seit Jahren verspricht die EU mehr wirtschaftliche Stärke gegenüber den USA und China. Doch ausgerechnet dort, wo europäische Unternehmen erfolgreich konkurrieren, beklagt O’Leary zusätzliche politische Belastungen.

Der Ryanair-Chef verweist auf den europäischen Luftverkehr: Dank Liberalisierung seien Flugtickets in Europa deutlich günstiger als in den USA. Diesen Vorteil sieht er durch politische Entscheidungen gefährdet.

Besonders brisant ist sein Verweis auf den Draghi-Bericht. Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi hatte bereits im September 2024 vor Europas schwindender Wettbewerbsfähigkeit gewarnt und tiefgreifende Reformen gefordert.2commission.europa.eu
Offizielle Dokumentation des Draghi-Berichts von September 2024 mit Diagnose und Reformvorschlägen zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit.

O’Leary behauptet, von den Empfehlungen sei nichts umgesetzt worden. So pauschal stimmt das allerdings nicht. Der Draghi Implementation Index bezifferte den Anteil vollständig umgesetzter Empfehlungen im Juli 2026 auf 15,7 Prozent.3draghiwatch.eu
Umsetzungsindex mit detaillierter Erfassung von 383 Draghi-Empfehlungen und ihrem Stand im Juli 2026.

Der politische Sprengstoff bleibt: Zwei Jahre nach Draghis Alarmruf ist ein Großteil seines Reformprogramms nicht vollständig verwirklicht. Von der Leyens Wirtschaftsversprechen stehen damit weiter unter erheblichem Erfolgsdruck.

 

 

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Brüssels Klima-Paradox: Europa zahlt, Langstrecken bleiben außen vor

Den größten Widerspruch erkennt O’Leary bei den Umweltabgaben. Der europäische Emissionshandel erfasst im Luftverkehr hauptsächlich innereuropäische Verbindungen sowie bestimmte Strecken nach Großbritannien und in die Schweiz. Viele internationale Langstrecken unterliegen dagegen anderen Regeln.4climate.ec.europa.eu
EU-Kommission erläutert Geltungsbereich, Emissionshandel und internationale Klimaregeln für den Luftverkehr.

Nach den von Euronews wiedergegebenen Eurocontrol-Daten verursachen Langstreckenflüge mehr als die Hälfte der europäischen Luftverkehrsemissionen, obwohl sie lediglich rund sechs Prozent der Abflüge ausmachen.

Die entscheidende Unterscheidung: Nicht die Nationalität einer Fluggesellschaft bestimmt grundsätzlich die ETS-Pflicht, sondern die Flugstrecke. Trotzdem stellt sich die Frage, weshalb ein erheblicher Emissionsanteil außerhalb der strengeren europäischen CO₂-Bepreisung bleibt.

Die EU verfolgt damit Klimaziele, riskiert nach O’Learys Argumentation aber Wettbewerbsverzerrungen. Brüssel verweist seinerseits auf internationale Klimaregeln und unterstützt Fluggesellschaften bei der Nutzung nachhaltiger Kraftstoffe. Allein für 2025 wurden dafür mehr als 400 Millionen Euro an ETS-Unterstützung bereitgestellt.5climate.ec.europa.eu
Mitteilung der EU-Kommission vom September 2026 über Fördermittel für nachhaltige Flugkraftstoffe.

Doch die Kernfrage bleibt unangenehm: Wie glaubwürdig ist europäische Klimapolitik, wenn ihre Kosten ungleich über verschiedene Flugverbindungen verteilt werden?

 

 

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Millionen Sitzplätze weg: Ryanair zeigt Brüssel die Rechnung

Dass O’Leary nicht nur schimpft, zeigt Belgien. Ryanair kündigte am 20. Oktober an, im Winterflugplan 2026 rund 1,1 Millionen Sitzplätze und 20 Strecken zu streichen. Die Airline begründet diesen Schritt insbesondere mit der Erhöhung der belgischen Luftverkehrsteuer von ursprünglich zwei auf künftig sieben Euro je Ticket.6corporate.ryanair.com
Unternehmensmitteilung vom 20. Oktober 2026 über Flugstreichungen, Sitzplatzabbau und die belgische Luftverkehrsteuer.

O’Leary bezeichnet auch Frankreich und Deutschland als nicht wettbewerbsfähig. Die Botschaft ist unmissverständlich: Flugzeuge lassen sich verlagern. Staaten müssen um Verbindungen, Passagiere und Investitionen konkurrieren.

Allerdings verfolgt Ryanair damit eigene wirtschaftliche Interessen. Niedrigere Abgaben verbessern auch die Ertragschancen des Konzerns. Die politischen Forderungen des Airline-Chefs sind deshalb nicht automatisch mit den Interessen der Allgemeinheit gleichzusetzen.

Hinzu kommt der nächste Preisschock: O’Leary warnt wegen steigender Treibstoffkosten vor deutlich höheren Flugpreisen im Jahr 2027. Zusätzliche Gebühren könnten diese Entwicklung verschärfen.

Auch jenseits des Luftverkehrs bleibt Europas Reformtempo umstritten. Eine Untersuchung der Joint European Disruptive Initiative sah im September 2026 erst 26 Prozent der Draghi-Empfehlungen umgesetzt – bei fortbestehendem erheblichem Handlungsbedarf.7euronews.com
Bericht vom September 2026 über den Draghi-Tracker, Reformfortschritte und Europas Rückstand bei der Umsetzung zentraler Vorhaben.

O’Learys Generalabrechnung ist polemisch, aber sie trifft eine offene politische Wunde. Europa will Klimaschutz, internationale Wettbewerbsfähigkeit und bezahlbare Mobilität gleichzeitig. Ob von der Leyens Kommission diese Ziele tatsächlich zusammenbringen kann, muss sich an Ergebnissen zeigen – nicht an weiteren Ankündigungen.

 

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