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Gasspeicher bei 56 Prozent: Reiche setzt auf Staatskonzerne

Kurzfassung

Deutschlands Gasspeicher sind Mitte September nur zu rund 56 Prozent gefüllt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt nun auf stärkere Marktanreize und die bundeseigenen Energiekonzerne Sefe und Uniper. Sefe kauft bereits Gas – betont aber ausdrücklich, ohne Weisung des Ministeriums zu handeln. Die gesetzliche 80-Prozent-Marke für viele Speicher gilt inzwischen als kaum noch erreichbar. Eine sichere Gasmangellage folgt daraus allerdings nicht: Netzagentur und Speicherbranche bewerten das Winterrisiko deutlich unterschiedlich.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Deutschlands Gasvorsorge bekommt plötzlich Tempo. Wochenlang setzte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf den Markt. Jetzt sollen stärkere finanzielle Anreize helfen – und ausgerechnet zwei Unternehmen, die fast vollständig dem Staat gehören, spielen dabei eine zentrale Rolle: Sefe und Uniper.

56 Prozent – und die 80-Prozent-Marke rückt außer Reichweite

Die deutschen Gasspeicher waren zuletzt nur zu rund 56 Prozent gefüllt – deutlich weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres.1bundesnetzagentur.de
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die aktuellen deutschen Speicherfüllstände auf Grundlage der europäischen Plattform AGSI+.
Das klingt vor dem Winter alarmierend. Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht.

Zum 1. November gelten für die meisten Speicher 80 Prozent als gesetzliche Vorgabe. Für sechs Anlagen – darunter Rehden – sind wegen ihrer technischen Eigenschaften lediglich 45 Prozent vorgeschrieben.2gesetze-im-internet.de
Die geltende Gasspeicherfüllstandsverordnung nennt 80 Prozent als Regelfall und 45 Prozent für sechs konkret aufgeführte Speicher.

Trotzdem ist die Lage ungewöhnlich. Netzagentur-Präsident Klaus Müller hält einen Füllstand von 80 Prozent inzwischen für technisch „fast nicht mehr zu schaffen“ und nicht mehr realistisch.3presseportal.de
Klaus Müller erklärte am 16. September, 80 Prozent seien technisch kaum noch erreichbar und nicht mehr realistisch.

Damit steht fest: Deutschland startet mit erheblich weniger Reserve in die Heizperiode als in früheren Jahren.

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Sefe kauft, Uniper soll helfen – offiziell ohne Weisung

Reiche will dennoch keinen klassischen staatlichen Großeinkauf wie während der Energiekrise 2022. Geplant sind zusätzliche Marktanreize; zugleich sollen die Möglichkeiten von Sefe und Uniper stärker genutzt werden.4reuters.com
Reuters berichtet über Reiches geplante Marktanreize und die stärkere Einbindung der staatlich kontrollierten Energieunternehmen.

Sefe kauft bereits zusätzliches Gas ein. Das Unternehmen betont allerdings auffällig deutlich, ausschließlich aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen zu handeln. Eine Weisung des Wirtschaftsministeriums gebe es nicht. Sefe erwartet nach eigenen Angaben sogar einen positiven Ertrag aus dem Geschäft.5handelsblatt.com
Sefe bestätigt Gaskäufe, bezeichnet sie als eigenständige kommerzielle Entscheidung und erwartet daraus einen positiven Ertrag.

Auch Uniper ist alles andere als ein gewöhnlicher Privatkonzern. Der Bund hält seit der Rettung im Jahr 2022 unverändert 99,12 Prozent der Aktien.6uniper.energy
Uniper weist den Bund weiterhin mit einem Anteil von 99,12 Prozent als mit Abstand größten Aktionär aus.

Politisch entsteht damit eine bemerkenswerte Konstruktion: Staatseigene Unternehmen sollen zur Wintervorsorge beitragen, handeln aber offiziell kommerziell und auf eigene Rechnung. Das verhindert zunächst eine staatlich angeordnete Beschaffung samt eigener Umlagenlogik. Es beseitigt das wirtschaftliche Risiko jedoch nicht – Gewinne oder Verluste landen zunächst in den Bilanzen der Unternehmen und damit letztlich auch im Wert der staatlichen Beteiligungen.

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Niedrige Speicher sind ein Risiko – aber noch keine sichere Mangellage

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wie voll sind die Speicher? Sondern: Wie viel Gas kann überhaupt noch rechtzeitig eingespeichert werden – und welche Liefermengen kommen im Winter zusätzlich über Pipelines und Flüssigerdgas-Terminals nach Deutschland?

Der Speicherverband INES hält technisch bis zum 1. November noch ungefähr 77 Prozent für erreichbar. Gleichzeitig warnt er insbesondere bei einem sehr kalten Winter vor Risiken und verweist darauf, dass gebuchte Kapazitäten tatsächlich auch rechtzeitig befüllt werden müssen.7energien-speichern.de
INES hält technisch rund 77 Prozent für erreichbar, sieht bei sehr kaltem Winter aber weiterhin Versorgungsrisiken.

Die Bundesnetzagentur bewertet die Situation weniger dramatisch. In den Speichern lagen zuletzt mehr als 136 Terawattstunden Gas – etwas mehr, als im gesamten vergangenen Winterhalbjahr aus ihnen entnommen wurde. Hinzu kommen laufende Pipelineimporte und inzwischen verfügbare Flüssigerdgas-Kapazitäten.

Deshalb wäre die Behauptung, eine Gasmangellage sei bereits jetzt zu 100 Prozent sicher, nicht belastbar. Belastbar ist etwas anderes: Deutschland geht mit ungewöhnlich niedrigen Reserven in den Winter, die frühere Zielmarke ist kaum noch erreichbar, und bei extremer Kälte oder zusätzlichen Importproblemen schrumpft der Sicherheitspuffer deutlich.

Genau darin liegt Reiches eigentliches Problem: Sie will keinen staatlichen Großeinkauf anordnen – muss aber gleichzeitig dafür sorgen, dass Markt und Staatskonzerne jetzt noch möglichst viel Gas in die Speicher bekommen. Der Winter wird zeigen, ob dieser Spagat funktioniert.

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