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Berlin auf DefTech-Kurs: Hauptstadt der Technokriege?

Kurzfassung

Berlin baut seine Rolle als Standort für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien massiv aus. Senat, IHK, Wirtschaftsförderer und Bundeswehr vernetzen Start-ups, Forschung und Kapital; zugleich wachsen die Verbindungen zur ukrainischen Verteidigungsindustrie. Eine neue Studie der Informationsstelle Militarisierung zeichnet daraus ein düsteres Gegenbild: Berlin drohe vom Start-up-Hotspot zum Knotenpunkt einer neuen Kriegsökonomie zu werden. Offizielle Stellen sprechen dagegen von Resilienz, technologischer Souveränität und Sicherheit. Der Konflikt geht damit weit über einzelne Rüstungsfirmen hinaus.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Berlin baut seine Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft nicht mehr nur am Rand aus. Der Senat hat den Aufbau eines eigenen DefTech-Ökosystems beschlossen, die IHK fordert einen „TechHub SVI Ost“, Forschung, Start-ups, Kapital und Bundeswehr sollen enger zusammenrücken. Was politisch als Resilienz und technologische Souveränität verkauft wird, beschreibt eine neue IMI-Studie als tiefgreifenden Umbau der Hauptstadt in Richtung Kriegsökonomie. Die entscheidende Frage lautet: Wo endet Sicherheitsvorsorge – und wo beginnt die Normalisierung des Krieges als Geschäftsmodell?

 

Senat macht DefTech zur Standortpolitik

Der Kurs ist offiziell. Am 2. Dezember 2025 beschloss der Berliner Senat, Sicherheits- und Verteidigungstechnologien systematisch zu fördern.1BERLIN.DE
Der Berliner Senat beschloss den Aufbau eines DefTech-Ökosystems und die stärkere Vernetzung von Wirtschaft, Forschung und Sicherheitsindustrie.
Ziel: Ansiedlungen, Firmengründungen und engere Verbindungen zwischen Wirtschaft und Forschung. Nach Senatsangaben waren damals bereits 130 Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in der Hauptstadtregion aktiv; hinzu kamen mehr als 400 Unternehmen mit Dual-Use-Technologien.

Die IHK Berlin legt nach: In einem Positionspapier fordert sie 25 Maßnahmen für den Defence- und Dual-Use-Standort.2IHK.DE
Die IHK fordert unter anderem einen TechHub SVI Ost, Defence-Förderung und weniger Hürden für sicherheitsbezogene Hochschulforschung.
Ein „TechHub SVI Ost“ soll Berlin mit Brandenburg und weiteren ostdeutschen Ländern verbinden, Förderinstrumente für Defence-Innovationen öffnen und Hürden für Sicherheits- und Dual-Use-Forschung an Hochschulen abbauen.

Im April 2026 wurde diese Initiative offiziell gestartet.3IHK.DE
Die IHK meldete den Start des TechHub SVI Ost mit Senat, Wirtschaftsförderern, Verbänden sowie geplanten Bundeswehr-Strukturen.
Getragen wird sie unter anderem von Senatskanzlei, Wirtschaftsverwaltung, Berlin Partner, Investitionsbank Berlin, Unternehmensverbänden und IHK. Geplant sind gemeinsame Strukturen mit Bundeswehr und Sicherheitsbehörden. Das ist keine lose Start-up-Runde mehr. Hier entsteht Industriepolitik mit militärischer Zielrichtung.

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Ukraine wird zum Testfeld – Berlin zum Netzwerk

Genau an diesem Punkt setzt die neue Studie der Informationsstelle Militarisierung an. Autor Chris Hüppmeier kartiert vier besonders relevante Berliner Räume: Tegel TXL, Marienpark, Technologiepark Adlershof und den geplanten European Space Hub.4IMI-ONLINE.DE
Die IMI-Studie untersucht Berliner Defence-Tech-Netzwerke, vier Standortcluster, Investoren, Start-ups und die wachsende militärische Nutzung vorhandener Strukturen.
Seine These: Das vorhandene Start-up- und Forschungsökosystem werde zunehmend für militärisch nutzbare Technologien geöffnet.

Parallel baut Berlin die Verbindung zur ukrainischen Rüstungsindustrie aus. Bereits im Dezember 2025 kündigte das Land das „Ukraine Freedom House“ als Verbindungsbüro an.5BERLIN.DE
Berlin kündigte ein Verbindungsbüro der ukrainischen Rüstungsindustrie an, um Kooperationen und gemeinsame Verteidigungsprojekte beider Länder zu beschleunigen.
Offizielles Ziel ist, Kooperationen zu beschleunigen und gemeinsame Projekte zwischen deutscher und ukrainischer Verteidigungsindustrie anzustoßen.

Wie eng Technologieentwicklung und Kriegserfahrung inzwischen zusammenspielen, zeigte auch die New-Age-Defence-Konferenz im Juni 2026.6NEW-AGE-DEFENCE.BERLIN
Die Berliner Fachkonferenz brachte Militär, Politik und Defence-Tech-Unternehmen rund um unbemannte Systeme und moderne Kriegstechnologien zusammen.
Bei dem Berliner Treffen diskutierten Soldaten, Unternehmen, Politiker und Investoren über Drohnen, Robotik und Lehren aus dem Ukraine-Krieg.7EURONEWS.COM
Euronews berichtete vom Berliner Drohnen-Gipfel über autonome Systeme, militärische Robotik und den Technologietransfer aus Erfahrungen des Ukraine-Krieges.

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IMI warnt vor Kriegsökonomie – Senat spricht von Resilienz

Hier prallen zwei Deutungen frontal aufeinander. Senat und Wirtschaft argumentieren mit Sicherheit, Resilienz, technologischer Souveränität und neuen Wachstumschancen. Kritiker wie die IMI sehen dagegen die Gefahr, dass öffentliche Forschung, Venture Capital und staatliche Milliarden immer stärker auf militärische Verwertung ausgerichtet werden.

Beides lässt sich nicht einfach wegwischen. Deutschlands Sicherheitslage hat sich durch Russlands Angriff auf die Ukraine verändert. Gleichzeitig verändert sich aber auch die politische Definition dessen, was als Wirtschaftsförderung gilt: Drohnen, KI, Sensorik, Cybertechnik und Raumfahrt werden zunehmend unter dem Etikett „Dual Use“ mit Verteidigungsinteressen verzahnt.

Die eigentliche Berliner Zeitenwende findet deshalb nicht nur in Kasernen statt. Sie findet in Gründerzentren, Hochschulen, Technologieparks und Investmentrunden statt. Wer daraus einen Innovationsboom machen will, muss sich eine unbequeme Frage gefallen lassen: Soll Berlin wirklich daran verdienen, dass Europas Kriege technologischer, automatisierter und kapitalintensiver werden?

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