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Dossier: Raiffeisen Bank International AG / RBI Group

Die Raiffeisen Bank International AG (RBI) mit Sitz in Wien steht im Zentrum eines Spannungsfelds, das weit über eine klassische Bankbilanz hinausreicht. Während die RBI Group zu den großen Bankengruppen in Mittel- und Osteuropa zählt, bleibt ihre russische Tochter AO Raiffeisenbank trotz jahrelanger Abbaupläne Teil des Konzerns. Europäische Aufseher drängen auf eine weitere Reduzierung des Russlandgeschäfts, gleichzeitig erschweren russische Genehmigungsvorgaben, gebundene Vermögenswerte und milliardenschwere Gerichtsverfahren einen vollständigen Rückzug. 1RBI – Impressum
Das RBI-Impressum nennt Rechtsträger, Sitz, Firmenbuchnummer, UID und LEI sowie FMA und EZB als zuständige Aufsichtsbehörden.

Dossier-Karte

Rechtsträger: Raiffeisen Bank International AG
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Sitz: Wien, Österreich
Adresse: Am Stadtpark 9, A-1030 Wien
Register: Firmenbuch beim Handelsgericht Wien
Registerkennung: FN 122119m
UID: ATU57531200
LEI: 9ZHRYM6F437SQJ6OUG95
ISIN: AT0000606306
Gruppenbezeichnung: RBI Group
Historische Bezüge: Raiffeisen International Bank-Holding AG; Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB)
Aufsichtskontext: Österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) und Europäische Zentralbank (EZB)
Status: aktives, börsennotiertes Kreditinstitut; Russlandgeschäft weiterhin im Abbau

Beziehungsgrafik Raiffeisen Bank International AG

Quelle: Northdata, Netzwerkansicht Raiffeisen Bank International AG, redaktionelle Nachzeichnung.
 

Identität und Register

Die Raiffeisen Bank International AG ist unter der Firmenbuchnummer FN 122119m beim Handelsgericht Wien eingetragen. Der Firmensitz befindet sich Am Stadtpark 9 in Wien. Das Unternehmen veröffentlicht zudem die UID ATU57531200, den Legal Entity Identifier 9ZHRYM6F437SQJ6OUG95 und den SWIFT-Code RZBAATWW. Die Bezeichnung „RBI Group“ beschreibt die Gruppenebene; sie ist nicht als zusätzlicher eigenständiger Rechtsträger neben der Raiffeisen Bank International AG einzuordnen.

Die Eigentümerstruktur ist eng mit dem österreichischen Raiffeisen-Sektor verbunden. Acht regionale Raiffeisenbanken halten zusammen rund 61,17 Prozent der RBI-Aktien, während rund 38,83 Prozent dem Streubesitz zugerechnet werden. Größter einzelner regionaler Aktionär ist nach Unternehmensangaben die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien mit 25 Prozent. 2RBI – Shareholder Structure
Die RBI weist acht regionale Raiffeisenbanken mit zusammen rund 61,17 Prozent sowie einen Streubesitz von rund 38,83 Prozent aus.

Adress- und Strukturhistorie

Die heutige RBI ist Ergebnis mehrerer Strukturveränderungen innerhalb des österreichischen Raiffeisen-Sektors. Für die Einordnung ist deshalb zwischen der Raiffeisen Bank International AG als börsennotiertem Rechtsträger, der RBI Group als Konzernbezeichnung, den acht regionalen Raiffeisenbanken als wesentlicher Aktionärsgruppe sowie den zahlreichen operativen Bank- und Finanzdienstleistungsgesellschaften zu unterscheiden. Die österreichische Raiffeisen-Bankengruppe insgesamt ist nicht mit der RBI AG gleichzusetzen.

Historie und Vorgänger

Ein wesentlicher Vorgänger der heutigen Struktur war die Raiffeisen International Bank-Holding AG. Im Jahr 2010 wurde die Gesellschaft in Raiffeisen Bank International AG umbenannt. Die Börsennotierung und die ISIN AT0000606306 bestanden fort. 3Wiener Börse – Namensänderung 2010
Die Wiener Börse dokumentiert die Umbenennung der Raiffeisen International Bank-Holding AG in Raiffeisen Bank International AG bei unveränderter ISIN.

2017 folgte ein weiterer bedeutender Schritt: Die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG wurde auf die RBI verschmolzen. Mit Eintragung der Verschmelzung im Firmenbuch wurde die RBI nach Unternehmensangaben Gesamtrechtsnachfolgerin der RZB. Die RZB ist deshalb als historische beziehungsweise verschmolzene Gesellschaft einzuordnen und nicht als heutige Muttergesellschaft der RBI. 4RBI – Unternehmenshistorie
Die RBI dokumentiert die Verschmelzung der RZB auf die RBI im März 2017 und ihre Stellung als Gesamtrechtsnachfolgerin.

Personen und Rollen

Seit dem 1. Juli 2026 steht Michael Höllerer als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Raiffeisen Bank International AG. Dem Vorstand gehören daneben Marie-Valerie Brunner für CIB Customer Coverage, Andreas Gschwenter als COO/CIO, Kamila Makhmudova als CFO, Hannes Mösenbacher als CRO und Rainer Schnabl für CIB Products & Solutions an. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Erwin Hameseder. 5RBI – Vorstand und Aufsichtsrat
Die aktuelle Organübersicht der RBI weist Michael Höllerer seit Juli 2026 als CEO und Erwin Hameseder als Aufsichtsratsvorsitzenden aus.

Michael Höllerer folgte Johann Strobl, der die RBI über Jahre als CEO geführt hatte. Die Bestellung Höllerers war bereits im Dezember 2025 angekündigt worden; der Wechsel wurde zum 1. Juli 2026 wirksam. 6RBI – CEO-Wechsel
Der Aufsichtsrat bestellte Michael Höllerer zum Nachfolger von Johann Strobl; den Vorstandsvorsitz übernahm er zum 1. Juli 2026.

Geschäftsfelder und Selbstdarstellung

Die RBI beschreibt sich als eine führende Firmen- und Investmentbank in Österreich und als Bankengruppe mit Schwerpunkt auf Mittel- und Osteuropa. Zum Halbjahr 2026 weist die Gruppe rund 18,8 Millionen Kunden und mehr als 1.300 Geschäftsstellen aus. Neben der Muttergesellschaft gehören zahlreiche Bank-, Leasing-, Asset-Management-, Bauspar- und Finanzdienstleistungsgesellschaften zum Konzern. Diese Angaben sind als Unternehmens- beziehungsweise Konzernangaben einzuordnen. 7RBI Group – About us
Die Unternehmensseite beschreibt Größe, Märkte, Kundenbasis und Struktur der RBI Group sowie deren Schwerpunkt in Mittel- und Osteuropa.

Kapitalmarkt und Veröffentlichungen

Die Aktie der Raiffeisen Bank International AG ist an der Wiener Börse notiert. Die ISIN lautet AT0000606306, das Börsenkürzel RBI. Für das erste Halbjahr 2026 meldete die Gesellschaft für die Kerngruppe ohne Russland einen Konzerngewinn von 708 Millionen Euro. Die Kundenkredite der Kerngruppe beliefen sich auf rund 107 Milliarden Euro. Gleichzeitig weist RBI ausdrücklich darauf hin, dass das Russlandgeschäft weiter reduziert wird und die bestehenden Einschränkungen aufrechterhalten bleiben. 8RBI – Halbjahresergebnis 2026
RBI meldet 708 Millionen Euro Konzerngewinn ohne Russland und bestätigt zugleich eine weitere Reduzierung der Geschäftsaktivitäten in Russland.

Russland: Warum ein Rückzug nicht einfach ist

Das Russlandgeschäft ist der zentrale Konfliktpunkt dieses Dossiers. RBI ist weiterhin Eigentümerin der AO Raiffeisenbank, reduziert deren Geschäft jedoch seit Jahren und arbeitet nach eigenen Angaben an einer Dekonsolidierung beziehungsweise einem Verkauf. Bereits 2024 teilte RBI mit, dass die Europäische Zentralbank einen beschleunigten Abbau des Russlandgeschäfts verlange. 9RBI – EZB-Anforderung zum Russlandgeschäft
RBI bestätigte 2024 die Erwartung einer EZB-Anforderung zur beschleunigten Reduzierung des Geschäfts ihrer russischen Tochtergesellschaft.

Die Lage lässt sich deshalb nicht auf die Frage reduzieren, warum RBI ihre russische Tochter nicht einfach verkauft. Ein Verkauf benötigt zahlreiche regulatorische Genehmigungen und insbesondere die Zustimmung russischer Behörden. Reuters berichtete 2025 über weitere gescheiterte Verkaufsbemühungen und zitierte RBI mit dem Hinweis, dass zahlreiche regulatorische Genehmigungen erforderlich seien. 10Reuters – Verkaufsbemühungen in Russland
Reuters berichtet über gescheiterte Verkaufsversuche; RBI verweist auf zahlreiche erforderliche Genehmigungen einschließlich russischer regulatorischer Zustimmungen.

Hinzu kommt die Kapitalfrage. RBI kalkuliert ihre Kapitalquote inzwischen auch unter einem Szenario, in dem die russische Tochter vollständig dekonsolidiert und das dort gebundene Eigenkapital vollständig verloren geht. Die separate Darstellung zentraler Kennzahlen „ohne Russland“ zeigt, wie weit die operative und bilanzielle Trennung bereits vorbereitet wird. Sie bedeutet jedoch noch keinen vollzogenen Rückzug. 11RBI – Results & Reports 2026
Die Halbjahreszahlen werden mit Kerngruppenkennzahlen ohne Russland ausgewiesen; RBI berücksichtigt zudem ein vollständiges Dekonsolidierungsszenario der russischen Tochter.

Rasperia, STRABAG und der Milliarden-Rechtsstreit

Der geplante Russland-Rückzug wurde zusätzlich durch einen komplexen Rechtsstreit mit der russischen Gesellschaft Rasperia belastet. Im Mittelpunkt stehen unter anderem 28,5 Millionen Aktien des österreichischen Baukonzerns STRABAG sowie damit verbundene Dividenden- und Ausschüttungsansprüche. Die Vermögenswerte sind aufgrund von EU-Sanktionen eingefroren.

Ein russisches Gericht sprach Rasperia im Zusammenhang mit dem Streit Milliardenbeträge zu. Die Auseinandersetzung traf die russische RBI-Tochter und führte zu erheblichen finanziellen Belastungen. Zeitweise war zudem der Verkauf der russischen Bank durch gerichtliche Maßnahmen blockiert. Im August 2025 wurde eine solche vorläufige Verkaufssperre aufgehoben, die regulatorischen Hürden für einen Verkauf bestanden jedoch weiter. 12Reuters – Russische Verkaufssperre
Ein russisches Gericht hob 2025 eine vorläufige Verkaufssperre auf; regulatorische Hürden für den Verkauf der russischen RBI-Tochter bestanden fort.

Am 23. Juli 2026 kündigte RBI eine neue Gegenoffensive auf österreichischem Rechtsweg an. Die RBI und ihre russische Tochter erklärten, gegen Rasperia in Österreich ein Verfahren über rund 3,15 Milliarden Euro einleiten zu wollen. Ziel ist nach Unternehmensangaben, Schäden auszugleichen und auf in Österreich eingefrorene Vermögenswerte Rasperias zuzugreifen. Dazu zählen insbesondere die 28,5 Millionen STRABAG-Aktien, Dividenden sowie Ausschüttungen aus einer Kapitalherabsetzung. 13RBI – Rasperia-Verfahren in Österreich
RBI kündigte am 23. Juli 2026 ein österreichisches Verfahren über rund 3,15 Milliarden Euro gegen Rasperia und Vermögensvollstreckung an.

Der veröffentlichte Stand ist dabei präzise zu unterscheiden: RBI erklärte am 23. Juli 2026 die Absicht, das Verfahren einzuleiten. Das Unternehmen bezeichnete einen positiven Ausgang aus eigener Sicht als sehr wahrscheinlich und erwartete mögliche Vollstreckungserlöse innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Diese Einschätzung ist Unternehmenskommunikation und keine gerichtliche Feststellung. Reuters bestätigte unabhängig die Ankündigung und den Umfang von rund 3,15 Milliarden Euro. 14Reuters – RBI gegen Rasperia
Reuters bestätigt die angekündigte Forderung von rund 3,15 Milliarden Euro und den Bezug zu eingefrorenen STRABAG-Vermögenswerten in Österreich.

Aufsicht und kritischer Kontext

Neben dem Russlandkomplex besteht ein davon getrennt zu behandelnder aufsichtsrechtlicher Vorgang. Die österreichische Finanzmarktaufsicht verhängte im Juni 2024 gegen die Raiffeisen Bank International AG eine Geldstrafe von 2,07 Millionen Euro wegen Verstößen gegen geldwäscherechtliche Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit zwei Korrespondenzbankbeziehungen. Die FMA stellte zugleich ausdrücklich fest, dass der Strafbescheid nicht rechtskräftig war. RBI legte Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. 15FMA – Sanktion gegen RBI
Die FMA verhängte 2,07 Millionen Euro Geldstrafe; der Strafbescheid ist laut veröffentlichter FMA-Mitteilung nicht rechtskräftig und wurde angefochten.

Dieser FMA-Vorgang ist nicht als Beleg für Fehlverhalten im Russlandgeschäft zu verwenden. Er betrifft einen eigenständigen aufsichtsrechtlichen Sachverhalt. Ebenso sind die Russland-Aktivitäten, der regulatorische Druck zum Geschäftsabbau, der Rasperia-Komplex und die österreichischen Gegenmaßnahmen jeweils nach ihrer eigenen Quellen- und Rechtslage zu beurteilen.

Dossier-Status

Belegt: Rechtsträger, Firmenbuchnummer, Sitz, UID, LEI, Börsennotierung, Eigentümerstruktur sowie aktuelle Organbesetzung sind öffentlich nachvollziehbar dokumentiert.

Gruppenebene: Die Bezeichnung RBI Group ist als Konzern- beziehungsweise Außenbezeichnung einzuordnen. Sie ist nicht mit einem zusätzlichen Rechtsträger gleichzusetzen.

Historie: Die Raiffeisen International Bank-Holding AG ist historischer Bezugspunkt der heutigen RBI; die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG wurde 2017 auf die RBI verschmolzen.

Russland: Die AO Raiffeisenbank befindet sich weiterhin im Konzern. RBI reduziert das Geschäft und strebt eine Dekonsolidierung beziehungsweise einen Verkauf an. Ein konkreter Termin für einen vollständigen Rückzug ist öffentlich nicht belastbar ausgewiesen.

Rechtsstreit: RBI kündigte am 23. Juli 2026 an, in Österreich Ansprüche von rund 3,15 Milliarden Euro gegen Rasperia geltend machen zu wollen. Der weitere gerichtliche Verlauf bleibt abzuwarten.

Aufsicht: RBI unterliegt FMA und EZB. Der FMA-Sanktionsbescheid aus dem Jahr 2024 war laut veröffentlichter FMA-Mitteilung nicht rechtskräftig und wurde von RBI angefochten.

Offen: Zeitpunkt, konkrete Struktur und Genehmigungsfähigkeit eines Verkaufs oder einer anderweitigen Dekonsolidierung der russischen Tochter sind öffentlich nicht abschließend bestimmt.

Pressemeldungen

RBI: Halbjahresbericht 2026 – weiterer Geschäftsabbau in Russland
RBI und AO Raiffeisenbank wollen Ansprüche gegen Rasperia in Österreich geltend machen
Michael Höllerer folgt Johann Strobl als CEO der RBI

Positive Links

Wiener Börse – Unternehmensprofil Raiffeisen Bank International AG
RBI Group – Unternehmens- und Gruppenprofil
RBI – aktuelle Aktionärsstruktur

Kritische Links

FMA – Sanktion gegen Raiffeisen Bank International AG mit Rechtsmittelstatus
Reuters – Schwierigkeiten beim Verkauf der russischen RBI-Tochter
Reuters – RBI kündigt Milliardenforderung gegen Rasperia in Österreich an

 

 

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Turmstrasse 18
6312 Steinhausen

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