Die Meyer Burger Technology AG mit Sitz in Thun ist der Schweizer Rechtsträger an der Spitze der öffentlich als Meyer Burger Gruppe bezeichneten Unternehmensstruktur. Der Fall verbindet technologische Solarentwicklung mit einer tiefen Finanzierungskrise, Insolvenzverfahren deutscher Tochtergesellschaften, US-amerikanischem Chapter 11, unterschiedlichen Schweizer Nachlass- und Konkursverfahren sowie dem Ende der Börsenkotierung. 1UID-Register: Meyer Burger Technology AG
Die amtliche UID-Stelle führt Meyer Burger Technology AG unter CHE-101.172.383 mit Sitz in Thun und aktivem Registerstatus.
Dossier-Karte
Rechtsträger: Meyer Burger Technology AG
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Sitz: Thun, Kanton Bern
Adresse: Schorenstrasse 39, 3645 Gwatt (Thun), Schweiz
Register: Handelsregister Kanton Bern
Registerkennung: CH-170.3.023.419-6
UID: CHE-101.172.383
Gruppenbezeichnung: Meyer Burger Gruppe
Historischer Firmenname: Meyer & Burger Holding AG
Aktueller Verfahrensstatus: definitive Nachlassstundung bis 1. Dezember 2026
Kapitalmarktstatus: seit 14. Januar 2026 von der SIX Swiss Exchange dekotiert
Sachwalterin: Transliq AG
Der aktive Registerstatus darf nicht mit einem wirtschaftlich unbelasteten Geschäftsbetrieb gleichgesetzt werden. Das Regionalgericht Oberland verlängerte die definitive Nachlassstundung der Meyer Burger Technology AG mit Entscheid vom 8. Juni 2026 um weitere sechs Monate bis zum 1. Dezember 2026. 2SHAB-Daten: Meyer Burger Technology AG
Die wiedergegebenen SHAB-Publikationen dokumentieren die verlängerte definitive Nachlassstundung bis 1. Dezember 2026 und den fortbestehenden Registereintrag.
Beziehungsgrafik Meyer Burger Technology AG

Die Gruppenebene muss gesellschaftsbezogen betrachtet werden. Im September 2025 teilte Meyer Burger mit, dass für die Muttergesellschaft sowie Meyer Burger Switzerland AG und Meyer Burger Research AG Nachlassstundungen bestanden und die Suche nach einem Investor für die gesamte Unternehmensgruppe nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte. 3Meyer Burger: Schweizer Nachlassverfahren
Die Unternehmensmeldung beschreibt die damaligen Schweizer Nachlassstundungen und das Scheitern der Investorensuche für die gesamte Meyer-Burger-Gruppe.
Dieser Stand hat sich 2026 weiter ausdifferenziert: Über die Meyer Burger (Switzerland) AG wurde mit Wirkung zum 23. Juni 2026 der Konkurs eröffnet. 4Konkurs Meyer Burger (Switzerland) AG
Die SHAB-Wiedergabe dokumentiert die Konkurseröffnung über Meyer Burger (Switzerland) AG mit Wirkung zum 23. Juni 2026. Die Meyer Burger Research AG befindet sich dagegen weiterhin in definitiver Nachlassstundung, die im Juli 2026 bis zum 8. Januar 2027 verlängert wurde. 5Nachlassstundung Meyer Burger Research AG
Die veröffentlichten Gerichtsdaten weisen für Meyer Burger Research AG eine verlängerte definitive Nachlassstundung bis zum 8. Januar 2027 aus.
Identität und Register
Die Meyer Burger Technology AG wurde 1999 in das Handelsregister eingetragen. Der Registerzweck ist heute im Kern als Holding- und Finanzierungstätigkeit formuliert: Erwerb, Verkauf, Halten, Verwaltung und Finanzierung von Beteiligungen sowie konzerninterne Finanzierungen und Sicherheiten. Als frühere Firmenbezeichnung ist Meyer & Burger Holding AG dokumentiert. 6Registerprofil und frühere Firmierung
Die SHAB-basierten Registerdaten enthalten Gesellschaftszweck, Handelsregisterkennung, frühere Bezeichnung Meyer & Burger Holding AG und aktuelle Organangaben.
Die Bezeichnung „Meyer Burger Gruppe“ ist als Gruppen- beziehungsweise Außenbezeichnung einzuordnen. Sie ist nicht mit einem eigenständigen Rechtsträger gleichen Namens gleichzusetzen. Maßgeblich bleiben die einzelnen Gesellschaften und deren jeweiliger Register- und Verfahrensstatus.
Adress- und Strukturhistorie
Die Holdinggesellschaft ist unter der Schorenstrasse 39 in Gwatt (Thun) registriert. Historisch bestand unter dem Dach der Gruppe eine internationale Struktur mit Gesellschaften und Produktionsstandorten in der Schweiz, Deutschland und den Vereinigten Staaten. Der Geschäftsbericht 2023 zeigt den Konzern noch in einer Phase, in der Meyer Burger seine Transformation zum Hersteller eigener Hochleistungs-Solarzellen und -module sowie den Ausbau des US-Geschäfts finanzieren wollte. 7Geschäftsbericht 2023
Der geprüfte Jahresabschluss dokumentiert Konzernstruktur, Finanzierungslage und die Anfang 2024 angekündigte strategische Verlagerung hin zum US-Markt.
Historie und Vorgänger
Meyer Burger war über Jahrzehnte mit Technologie für die Photovoltaikproduktion verbunden und entwickelte sich später vom Maschinen- und Technologieanbieter zum eigenen Zell- und Modulhersteller. Die technologische Substanz ist unabhängig dokumentiert: Das Schweizer Forschungszentrum CSEM berichtete 2020 über eine langjährige Zusammenarbeit und eine von Fraunhofer ISE zertifizierte Effizienz von 25,4 Prozent für gemeinsam entwickelte Silizium-Solarzellen. 8CSEM: Technologiekooperation mit Meyer Burger
CSEM dokumentiert die langjährige Forschungszusammenarbeit und einen von Fraunhofer ISE zertifizierten Wirkungsgrad von 25,4 Prozent.
Das spätere wirtschaftliche Scheitern lässt sich deshalb nicht schlicht mit fehlender Technologie erklären. Es traf vielmehr ein kapitalintensives Geschäftsmodell auf einen europäischen Solarmarkt, in dem stark sinkende Modulpreise und große Importmengen die heimische Produktion zunehmend unter Druck setzten.
Personen und Rollen
Nach dem aktuellen öffentlich wiedergegebenen Registerstand wird Dr. Franz Paul Bernhard Richter als jüngstes Verwaltungsratsmitglied geführt. Als zeichnungsberechtigte Personen erscheinen unter anderem Richter, Frank Herbert Zimmermann und Katja Madaus; Katja Madaus wird zudem der Geschäftsleitung zugeordnet. Maßgeblich bleibt für personelle Funktionen stets der jeweils aktuelle Handelsregisterstand.
Von den Organfunktionen zu trennen ist die Rolle der Transliq AG. Sie wurde im Zusammenhang mit der definitiven Nachlassstundung als Sachwalterin eingetragen. Die Sachwalterfunktion ist Teil des gerichtlichen Nachlassverfahrens und keine gewöhnliche Konzernleitungsfunktion.
Geschäftsfelder und Selbstdarstellung
Der Wiederaufbau eigener Solarproduktion in Europa traf ab 2023 und 2024 auf einen drastischen Preiswettbewerb. Reuters berichtete über stark gestiegene Importe aus China, sinkende Modulpreise und Forderungen europäischer Hersteller nach industriepolitischer Unterstützung. 9Reuters: Krise der europäischen Solarproduktion
Reuters beschreibt den Preisverfall, wachsende chinesische Importe und Forderungen europäischer Solarhersteller nach kurzfristiger industriepolitischer Unterstützung.
Doch die Frage, warum Europas Solarindustrie Meyer Burger nicht retten konnte, ist komplexer als die Formel „China gegen Europa“. Meyer Burger hatte selbst einen erheblichen Finanzierungsbedarf, schloss die Modulproduktion in Freiberg und verlagerte den strategischen Schwerpunkt in Richtung Vereinigte Staaten. Reuters beschrieb dabei auch den politischen Zielkonflikt zwischen günstigen Solarmodulen für einen schnellen Ausbau erneuerbarer Energien und dem Erhalt einer europäischen Fertigungsbasis. 10Reuters: Meyer Burgers Wechsel Richtung USA
Der Bericht ordnet Freiberg-Schließung, US-Förderbedingungen und Europas Konflikt zwischen günstigen Importen und eigener Solarproduktion ein.
Hinzu kamen unternehmensspezifische Belastungen. Im November 2024 beendete der Großkunde DESRI seine Verträge mit Meyer Burger. Reuters berichtete, dass diese Geschäftsbeziehung einen sehr hohen Anteil der erwarteten Verkäufe für 2025 und 2026 ausmachen sollte und der Schritt die Restrukturierungsbemühungen zusätzlich belastete. 11Reuters: Ende der DESRI-Verträge
Reuters dokumentiert die Vertragsbeendigung durch den Großkunden DESRI und deren erhebliche Bedeutung für Meyer Burgers Restrukturierungs- und Finanzierungslage.
Kapitalmarkt und Veröffentlichungen
Am 31. Mai 2025 meldete Meyer Burger die Insolvenzanträge der deutschen Tochtergesellschaften Meyer Burger (Industries) GmbH und Meyer Burger (Germany) GmbH. Für die Standorte Thalheim beziehungsweise Bitterfeld-Wolfen und Hohenstein-Ernstthal wurden zusammen 620 Beschäftigte genannt. 12Insolvenzanträge der deutschen Gesellschaften
Die Ad-hoc-Mitteilung vom 31. Mai 2025 nennt die beiden deutschen Tochtergesellschaften und insgesamt 620 Beschäftigte an den betroffenen Standorten.
Auch die Expansion in den Vereinigten Staaten brachte keine dauerhafte Stabilisierung. Ende Mai 2025 stellte Meyer Burger wegen fehlender finanzieller Mittel die Modulproduktion in Arizona ein und entließ dort 282 Beschäftigte. Wenige Wochen später wurde für US-Gesellschaften ein freiwilliges Verfahren nach Chapter 11 eingeleitet. 13Reuters: Chapter 11 in den USA
Reuters bestätigt das freiwillige Chapter-11-Verfahren und ordnet es in die vorausgegangene Schließung der US-Produktion und Finanzierungskrise ein.
Parallel verschärfte sich die kapitalmarktrechtliche Lage. Der Geschäftsbericht 2024 wurde trotz mehrerer Fristverlängerungen nicht fristgerecht veröffentlicht. SIX Exchange Regulation leitete schließlich die Dekotierung ein. Nach Wiederaufnahme des Handels im Oktober 2025 war der 13. Januar 2026 der letzte Handelstag; am 14. Januar 2026 erfolgte die Dekotierung. 14SIX Exchange Regulation: Dekotierung
SIX dokumentiert den fehlenden Geschäftsbericht 2024, den letzten Handelstag am 13. Januar und die Dekotierung am 14. Januar 2026.
Aufsicht und kritischer Kontext
Der relevante regulatorische Kontext betrifft vor allem das Börsen- und Publizitätsregime der SIX sowie die gerichtlichen Nachlass-, Konkurs- und Insolvenzverfahren in den jeweiligen Staaten. In den für dieses Dossier geprüften öffentlich zugänglichen Warnlistenabfragen war kein konkreter Warnlisteneintrag von FINMA, BaFin, FMA oder ESMA für Meyer Burger Technology AG belastbar auffindbar. Dies ist kein Negativbeweis und keine Aussage über andere aufsichts- oder zivilrechtliche Fragen.
Der Schweizerische Anlegerschutzverein hat öffentlich angekündigt, rechtliche Schritte gegen Meyer Burger Technology AG sowie aktuelle und ehemalige Organe vorzubereiten und erhebt dabei Vorwürfe zur Unternehmenskommunikation. Diese Angaben sind als Position einer interessengeleiteten kritischen Sekundärquelle einzuordnen und nicht als gerichtliche Feststellung. 15Schweizerischer Anlegerschutzverein zu Meyer Burger
Der Verein beschreibt angekündigte rechtliche Schritte und eigene Vorwürfe; diese stellen keine behördliche oder gerichtliche Feststellung dar.
Dossier-Status
Belegt: Meyer Burger Technology AG besteht als Schweizer Aktiengesellschaft mit aktivem Registereintrag fort. Die definitive Nachlassstundung wurde bis 1. Dezember 2026 verlängert.
Gruppenebene: Die Verfahren unterscheiden sich erheblich. Die Meyer Burger (Switzerland) AG befindet sich seit 23. Juni 2026 im Konkurs; die Meyer Burger Research AG hat eine verlängerte Nachlassstundung bis 8. Januar 2027. Deutsche Tochtergesellschaften hatten 2025 Insolvenzverfahren beantragt; US-Gesellschaften gingen in ein Chapter-11-Verfahren.
Historie: Meyer Burger verfügte über nachweisbare technologische Kompetenz in der Photovoltaik. Der Niedergang ist dennoch durch eine Kombination aus europäischem Preis- und Importdruck, hohem Kapitalbedarf, strategischer US-Verlagerung, Finanzierungsschwierigkeiten und dem Verlust eines bedeutenden Kunden geprägt.
Kapitalmarkt: Die Aktie ist seit 14. Januar 2026 nicht mehr an der SIX Swiss Exchange kotiert.
Aufsicht: Belegt sind insbesondere das Verfahren der SIX Exchange Regulation sowie gerichtliche Insolvenz-, Konkurs- und Nachlassverfahren. Kritische Anlegerfundstellen werden getrennt von behördlichen oder gerichtlichen Feststellungen geführt.
Offen: Der weitere Ausgang der Nachlassverfahren, mögliche Verwertungen verbliebener Vermögenswerte, die endgültige Befriedigung von Gläubigern und mögliche zivilrechtliche Verfahren sind vom jeweiligen weiteren Verfahrensverlauf abhängig.
Pressemeldungen
Meyer Burger beantragt Insolvenz für deutsche Tochtergesellschaften
Meyer Burger stellt US-Modulproduktion ein
Nachlassstundung für Schweizer Gesellschaften der Meyer Burger Gruppe
Weitere Fristverlängerung für den Geschäftsbericht 2024 beantragt
Positive Links
CSEM: Meyer Burger und CSEM verlängern Forschungszusammenarbeit
CSEM: Fortschritte bei hocheffizienter Photovoltaik-Technologie
Meyer Burger Geschäftsbericht 2023 – Financial Statements
Kritische Links
Reuters: Europas Solarhersteller unter Import- und Preisdruck
Reuters: Europäische Solarunternehmen orientieren sich Richtung USA
Reuters: Großkunde DESRI beendet Verträge mit Meyer Burger
Schweizerischer Anlegerschutzverein: kritische Fundstelle zu Meyer Burger
Dossier-Verwaltung:
Nordwell Horizon AG
Turmstrasse 18
6312 Steinhausen





