Kurzfassung
Grünhorn gehört zu den bekanntesten Namen im deutschen Markt für medizinisches Cannabis. Doch innerhalb weniger Monate hat sich die Eigentümerstruktur grundlegend verändert: Erst übernimmt HEAL Europe Holdings 80 Prozent, dann sichert sich Red White & Bloom die Kontrolle über HEAL – und damit mittelbar auch über Grünhorn. Bemerkenswert: RWB kämpft selbst mit einer schwierigen Bilanz und finanziert HEAL zusätzlich mit Millionen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wer kauft hier eigentlich wen?
Inhaltsverzeichnis
Grünhorn gehört zu den bekanntesten Namen im deutschen Markt für medizinisches Cannabis. Aufgebaut und geprägt wurde das Unternehmen vor allem von Stefan Fritsch. Rund um Grünhorn entstand mit den Jahren ein Geflecht aus Handels-, Pharma- und Beteiligungsgesellschaften.
Dazu kamen Investoren und Geldgeber aus einem durchaus erfahrenen Unternehmerumfeld. Bis dahin nichts Ungewöhnliches.
Erst die neue Holding – dann 80 Prozent
Interessant wird es dort, wo sich die alte Struktur innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert. Ende 2025 entsteht in der Schweiz die Grünhorn Gruppe AG.1MONEYHOUSE.CH
Die Grünhorn Gruppe AG wurde im November 2025 in das Schweizer Handelsregister eingetragen.
Kurz darauf ändern sich die Beteiligungsverhältnisse grundlegend. HEAL Europe Holdings übernimmt 80 Prozent an der Grünhorn Gruppe AG.2YAHOO FINANCE
Die Transaktionsunterlagen bestätigen die 80-Prozent-Beteiligung von HEAL Europe Holdings an Grünhorn.
Damit geben die bisherigen Eigentümer die klare Mehrheit ab.
Warum? Wachstum? Frisches Kapital? Ein klassischer Verkauf? Oder schlicht die Notwendigkeit, neue Geldgeber hereinzunehmen?
Öffentlich beantwortet ist vor allem eine einfache Frage nicht: Was wurde für diese 80 Prozent eigentlich bezahlt? Und noch wichtiger: Wer bekam das Geld?
RWB kauft Kontrolle – und leiht zugleich Millionen
Nur wenig später folgt der nächste Schritt. Das kanadische Cannabisunternehmen Red White & Bloom – RWB – übernimmt 62,63 Prozent an HEAL Europe Holdings und hält damit mittelbar 50,1 Prozent an Grünhorn.3MARKETSCREENER.COM
RWB erwarb 62,63 Prozent an HEAL Europe und hält dadurch indirekt 50,1 Prozent an Grünhorn.
Ein internationaler Investor übernimmt die Kontrolle. Das klingt zunächst nach einer klassischen Erfolgsgeschichte. Grünhorn selbst spricht von zusätzlichem Spielraum, einem größeren Beschaffungs- und Partnernetzwerk sowie einer Grundlage für weiteres Wachstum.4GRUENHORN.GROUP
Grünhorn beschreibt RWB und HEAL als strategische Partner für weiteres Wachstum und einen erweiterten Gesellschafterkreis.
Bis man sich den Käufer etwas genauer ansieht.
Denn RWB selbst befindet sich finanziell keineswegs in einer komfortablen Lage. Zum 30. Juni 2026 weist der Konzern ein negatives Eigenkapital von rund 227 Millionen kanadischen Dollar und ein Working-Capital-Defizit von rund 68 Millionen Dollar aus. Im eigenen Zwischenabschluss heißt es ausdrücklich, diese Umstände ließen Zweifel an der Fähigkeit zur Fortführung des Unternehmens entstehen.5FINANCIALFILINGS.COM
Der RWB-Zwischenabschluss nennt negatives Eigenkapital, Working-Capital-Defizit und Zweifel an der Fortführungsfähigkeit.
Ausgerechnet dieses Unternehmen übernimmt nun mittelbar die Kontrolle über Grünhorn.
Und RWB ist nicht nur Investor. RWB stellt HEAL gleichzeitig eine vorrangig besicherte Finanzierung von bis zu 25 Millionen kanadischen Dollar zur Verfügung. 18,7 Millionen waren bei Abschluss bereits ausgereicht – zu zwölf Prozent Zinsen.6GOWLINGWLG.COM
Die Kanzlei bestätigt Kreditlinie, bereits ausgezahlte 18,7 Millionen Dollar, zwölf Prozent Zins und Sicherheiten.
Da drängt sich eine Frage geradezu auf: Wer finanziert hier eigentlich wen? Und ist das tatsächlich ein klassischer Unternehmenskauf – oder eher eine große Refinanzierungs- und Beteiligungskonstruktion?
Kasse gemacht – oder Risiko abgegeben?
Genau hier wird es spannend. Was ist mit den bisherigen Beteiligten passiert? Wurden sie ausgezahlt? Haben sie ihre Beteiligungen verkauft? Wurden Anteile in die neue Holding eingebracht? Sind Forderungen zurückgezahlt worden?
Oder wurden alte Beteiligungen durch die neue Struktur wirtschaftlich schlicht kleiner?
Bislang fehlen darauf öffentliche Antworten. Auch bei Stefan Fritsch. Er bleibt CEO, während die Mehrheit mittlerweile anderen gehört. Die offizielle Grünhorn-Kommunikation betont ausdrücklich die Kontinuität bei Führung, Lieferfähigkeit und operativen Abläufen.7PRESSEPORTAL.DE
Grünhorn bestätigt Stefan Fritsch als CEO und betont unveränderte Abläufe sowie Kontinuität für Kunden und Verordner.
Das kann durchaus eine komfortable Konstruktion sein: weniger eigenes Risiko, neue Geldgeber, neue Finanzierung – und trotzdem weiter am Steuer. Ob dabei auch persönlich Geld geflossen ist, ist öffentlich nicht bekannt.
Vielleicht hat Stefan Fritsch einen Teil seiner Beteiligung verkauft und tatsächlich Kasse gemacht. Vielleicht hat er keinen großen Kaufpreis gesehen und lediglich neues Kapital für das Unternehmen organisiert. Vielleicht wurden frühere Geldgeber ausgezahlt. Vielleicht blieben sie beteiligt.
Vielleicht wurde schlicht eine Struktur geschaffen, in der das Risiko heute auf deutlich mehr Schultern verteilt ist als früher.
Wir wissen es nicht. Noch nicht.
Fest steht nur: Innerhalb kurzer Zeit hat sich Grünhorn von einem stark durch seine bisherigen Eigentümer geprägten Unternehmen zu einer Konstruktion entwickelt, die mittelbar von einem kanadischen Konzern kontrolliert wird. Und ausgerechnet dieser neue Kontrolleur weist selbst eine schwierige Bilanz aus.
Das macht die Sache nicht automatisch problematisch. Aber interessant. Sehr interessant.
Denn am Ende bleibt eine erstaunlich einfache Frage: Hat hier jemand Grünhorn gekauft – oder wurde vor allem das Risiko neu verteilt?
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